Mercedes-Benz E320 (W211) – Modifikationen – Interieur – Ersetzen der eigentlich nicht ersetzbaren Blende des Lichtschalters

Last Updated on 5. November 2021 by spookie

Wer kennt es nicht: die Blende des Lichtschalters ist mit den Jahren nicht mehr sehr ansehnlich, weil sie mit Softlack bestück ist. Nun denkt man, einfach den Softlack mit Bremsenreiniger, Verdünnung, Terpentin entfernen und dann ist Ruhe. Das ist aber leider nicht so einfach, denn dann fallen die oberen Symbole des Schalter weg und man ist blind. Dies ist auch etwas, was der TÜV gar nicht gerne sieht, hatte dort nachgefragt. Es muss immer ersichtlich sein, auf welcher Stufe der Schalter steht.

Die Bilder zeigen einen Schlacht-Schalter, den ich mir extra für Öffnungsversuche geholt hatte, nicht dem vom Fahrzeug. Ist aber dieselbe Nummer gewesen.


Ein neuer Lichtschalter fiel aus, da dieser nur komplett und derzeit etwa 370 Euro kostet. Das ist für einen Schönheitsmakel viel Geld, anders würde es aussehen, wenn er kaputt wäre. Aber da der Markt voller angegriffener Lichtschalter ist und diese kaum den Aufwand lohnen, zu verkaufen, wäre es Verschwendung.

Dann tauchte eine Alternative auf dem Markt aus China auf. Dort wurde die Blende einzeln verkauft. Kein OEM Teil wie man später sehen kann, sondern ein Nachbau, der nicht ganz dem original entsprich. Auch ärgerlich: es ist derzeit nur die Farbe schwarz verfügbar, was bei einer anthrazit farbenen Ausstattung nicht ganz so schön ist. Es gibt die Varianten zur Auswahl: Vormopf mit Xenon, Vormopf ohne Xenon (mit Drehrädchen), Mopf ohne Schalter für Scheinwerferreinigungsanlage (ab 2008), Mopf mit Schalter für Scheinwerferreinigungsanlage.

Hier der Link direkt zu AliExpress, dort sind sie am günstigsten

Meinen hatte ich bei eBay gekauft, er kaum auch aus China, daher spart Euch die Mehrkosten, hier kostet er fast das doppelte.


Nach ein paar Wochen kam sie nun per Post an:


Damit gings los. Um den Lichtschalter auszubauen, ist gar nicht so viel Mühe notwendig. Man braucht nur einen Kunststoffkeil zum Aushebeln und ein T25 Schraubendreher für alles.

Als erstes nehmen wir den Deckel des Sicherungskasten aussen am Armaturenbrett. Wenn man den Türgummi an der Stelle etwas anhebt, tut man sich leichter. Dann mit dem Kunststoffkeil den Deckel vorsichtig öffnen an der spitzen Seite, hinten muss er nur rausgezogen werden danach.


Nun schieben wir die Holzblende etwa 1cm nach links und heben sie vorsichtig ab. Das kann beim 1. Mal schwerer gehen als später. Vorsichtig sein, rechts anfangen, notfalls auch hier mit dem Kunststoffkeil arbeiten. Dann zu sich hin abziehen.


Nun sehen wir die Schrauben, die wir brauchen


Nun lösen wir die eine Schraube des Lichtschalter selber


Manche behaupten im Netz, man muss auch die beiden Schrauben beim Hebel der Feststellbremse lösen. Dies hatte ich auch getan, aber nötig war es meiner Meinung nach nicht. Da gab es keine Verbindung nach oben, wie es z.B. beim W203 der Fall ist. Dort musste man von unten eine Schraube lösen, da er auch dort verschraubt war. Am 211 allerdings nicht. Daher nur rein mal zur Info und Arbeitsersparung.


Dann müssen wir die Lüftungsdüse ausbauen. Dazu lösen wir die Schraube neben der des Lichtschalters, Links aussen wo wir den Deckel des Sicherungskasten abgenommen haben und oben unter dem Gitter. Das Gitter muss man vorsichtig mit einem Kunststoffkeil an der Vorderseite (man schaut drauf) anheben und lösen. Es geht relativ schwer weg und man denkt, es bricht gleich. Passt aber so. Hinten ist es nicht nötig zum Anheben. Es springt einem dann entgegen. Nun ist die Düse komplett gelöst und man kann sie links an die Seite hängen.


Jetzt kommen wir von Oben an den Lichtschalter heran. Dieser sitz unten recht fest und man kann nun gemütlich von hinten mit der Hand die hängende rechts Seite herausdrücken. Dort ist der Schalter eingehakt wie auch unten. Bitte nicht von vorne dran rum reißen, nachher bricht etwas ab. Lieber von hinten drücken, dann geht es einfacher.
Wenn der Schalter dann gelöst ist, kann man den Stecker abnehmen. Es ist ein Sicherungsstecker. In der Mitte des Steckers etwas drücken und den Bügel öffnen. Dieser gibt den Stecker zum abnehmen frei. Nicht zu sehr dran ziehen, das Kabel is relativ kurz gehalten. Man kommt aber gut dran.


Nun haben wir den Schalter in der Hand und es geht weiter mit der eigentlichen Arbeit.


Es gibt nun 4 Varianten, die mir bekannt sind, um die das ganze zu zerlegen:

  1. Das brutale Zerlegen, wo hinterher wieder mit etwas geklebt werden muss. Hält dennoch perfekt.
  2. Die Variante für Chirugen und Menschen mit kleinen Fingern und dem richtigen Werkzeug.
  3. Noch eine Methode mit Gewalt, wo man den Drehschalter abziehen muss mittels Zange und Tuch.
  4. Die vermutlich einfachste: Blende zerschneiden, hinteren Teil anpassen und die neue nur noch Aufclipsen.

Die brutalste, die ich auch an meinem Schlachtschalter verwendet habe ist: Drehschalterauf linkes Parklicht stellen und kräftig ziehen. Damit hatte man dort den Drehschalter direkt in der Hand. Dies klappte an dem vom Auto aber leider nicht. So sehr man sich mühte, es ging nicht. Da nichts schlimmeres kaputt gehen sollte, hab ich den Gedanken wieder verworfen.


Die schonendste Art ist etwas für sehr kleines Werkzeug und Menschen, die Chirugen sind. Kurz gesagt: es ist eine sehr fummelige Arbeit, die ich nicht nochmal probieren würde. Nach 2 entnervten Stunden hab ich das auch sein lassen, es klappte bei mir nicht. Probiert es ruhig aus, jeder ist handwerklich ja anders begabt.

Wir sehen hierzu eine eckige Öffnung an der Oberseite. Dort muss man mit einem sehr kleinen Schlitzschraubendreher reingehen bis zum 2. Anschlagpunkt. Der 1. ist nicht relevant. Beim 2 ist man an der Achse angelangt. Dort muss man den Kunststoffclip anheben versuchen, dieser gibt dann die Achse des Drehschalters frei. Eine sehr fummelige Arbeit. Hat man es oben freigelegt, kommt der Schalter schonmal ein Stück heraus, so wie es bei der Nebelschlussleuchte auf der anderen Seite wäre.


Nun gehts an den miesen Teil. Unten am Schalter ist ein Aufkleber. An der einen Ecke muss man das ebenfalls eckige Loch freistechen und dasselbe von unten machen. Das war der Punkt, an dem ich gescheitert bin. Versucht es, wenn beide Seiten, oben wie unten, die Achse freilegen, kann man den Schalter nach vorne rausziehen und es ist nichts kaputt gegangen. Viel Glück damit.


Vom Schlachtschalter hier ein paar Bilder, die erklären, wo die Nut auf beiden Seiten sitzt, die man erwischen muss, um das ganze anzuhebeln. Auch zeigt es, was da wo und wie festgehalten wird. Nicht wundern über die Risse, da ich dort andere Wege an Anfang suchte, um ihn zu öffnen, hat er ordentlich gelitten. Das sah am anderen zerlegten natürlich nicht so aus. Also keine Sorge.


Die 3. Methode ist eine, die leider wieder Gewalt erfordert, letztlich aber bei mir zum Ziel führte. Sie hat einen Nachteil, den ich am Ende noch erläutern werde. Man stellt den Schalter auf Auto und zieht daran. Per Hand war da nichts zu machen. Aus der Verzweiflung nahm ich eine Wasserpumpenzange und stellte die Größe ein, damit der Drehregler nicht zerquetscht wird. Dann ein Handtuch auf die Backen der Zange. Damit habe ich den Drehschalter dann mit viel Kraft herausbekommen. Leider ist das nicht ganz ohne, da hier Nasen abbrechen werden, bei mir war es eine davon. Diese sind für das spätere Einrasten nötig, dazu aber nachher mehr.

Nun sehen wir nach Abnahme des Drehreglers, die Blende. Diese muss man an beiden Seiten vorsichtig lösen. Sie ist nur geclipst. Da wir sie aber ohnehin auswechseln, ist es nicht so schlimm, wenn eine Stelle aufbricht.


Als nächstes müssen die Chromringe sowie die Lichtleiter mit den unteren beiden Symbolen abgenommen werden Hier heisst es: extrem vorsichtig sein. Man rutscht bei den Chromringen sehr schnell ab und beschädigt sich etwas. Das kann böse Folgen für die Optik haben. Auch die beiden Lichtleiter müssen vorsichtig abgenommen werden, damit hier nicht der Pin abbricht, mit dem die eine Seite befestigt ist.
Beim Aufsetzen in die neue Blende fällt auf: sie ist ein wenig anders bei der Aufname der Lichtleiter, weniger ausgeprägt wie original, scheint aber zu halten. Daher ist der kleine Pin oben zum Einschieben extrm wichtig. Sonst wird sich das ganze später lösen.


Nun setzen wir die Chromringe in die neue Blende ein. Bitte auf Hygiene achten. Auch die neue Blende hat wieder Softlack drauf. Ich hatte gehofft dies wird nicht so sein. Wenn man hier verschmutzt, kann man das ganze nochmal machen im schlimmsten Fall. Niemals mit Putzmittel ran, höchstens ein fusselfreies Tuch, zB Geschirrtuch und nur feucht. Aber selbst da wäre ich vorsichtig.

Die beiden Lichtleiter müssen sauber sitzen. Darauf achten, dass sie richtig herum zeigen die Symbole.

Die Chromringe müssen nur eingeschoben werden bis man ein leichtes Klicken hört. Dann sitzen sie schon.


Wir stellen nun das Problem der Blende fest, was ich leider auch erst hinterher merkte, aber zu beheben ist. Der innere Kreis wurde falsch ausgeschnitten. Das heisst man bekommt sie so nun nicht direkt draufgeschoben. Verdrehen am Lichtschalter selber kann man das nicht, die Blende ist schlichtweg falsch erstellt worden. Dies ist aber kein Problem. Man musste da nur mit dem Dremel an 2 Ecken etwas abnehmen, dauert keine 20 Sekunden und schon ist sie passend. Dennoch werde ich dies noch den Verkäufern aufs Brot schmieren, denn man bestellt ja etwas passendes. Entweder es gibt Unterschiede zwischen den Baujahren oder sie haben es falsch nachgebaut. Letztendlich aber auch kein Problem. Man sieht es auf den Bildern deutlich.


Durch den Gewaltakt oben haben wir nun ein Problem. Wenn die Blende eingeclipst ist und alles gut erscheint, will man den Drehschalter einclipsen. Wenn man die sanfte Methode geschafft hat, geht dies auch ohne Probleme. Alles bleibt original. Wenn man die Gewaltmethode, wie ich, angewendet hat, sitzt dieser nicht mehr richtig. Das ist TÜV relevant, da man nun nicht mehr die Nebelleuchten und vor allem die Nebelschlussleuchte ziehen kann. Aber auch dies ist kein Problem.

Ich habe mir etwas 2 Komponenten Epoxid Harz angemischt. Damit habe ich den weissen Lichtleiterteil (Achse) eingeschmiert. Anschließend den Drehschalter eingeführt. Nach einer Stunde oder etwas früher unbedingt den Regler mal testweise drehen aber NICHT ziehen! Damit man auch weiss, er ist noch bewegungsfähig. Es kann ja passieren, dass das Harz weitergeflossen ist, als es noch flüssig war. Über Nacht ausgehärter, hat man einen voll funktionsfähig und nun auch wieder einen optisch schönen Lichtschalter.

Auch funktioniert techisch weiterhin alles wie gehabt und man hat sehr viel Geld gespart.

Der Einbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge: Lichtschalter rein unten/seitlich, dann oben rein, Schraube anziehen und Stecker einstecken. Kurzer Test ob noch alles tut an Beleuchtung. Rundum leuchtet es, wenn man das Licht anmacht, die Drehreglerbeleuchtung erst mit Zündung 2.

Danach noch die Düse wieder einbauen mit den 3 Schrauben, Gitter drauf. Holzblende ansetzen und leicht nach rechts schieben, Abdeckung Sicherungskasten wieder reinschieben und einclipsen sowie Türgummi fest andrücken. Das wars. Da ich in der Garage stehe, ist das Bild von der Farbe her leicht verfärbt. Die Blende ist ja schwarz, nicht mehr grau. Das Blitzlicht täuscht. Vielleicht bringen sie ja noch graue auf den Markt, das werde ich auch mal anregen beim chinesischen Verkäufer.


Hier nun die 4. Methode, die bei einigen schon geholfen hatte, Dank dem Tip von Esteban und noch Anmerkungen eines Schweizer Users:

Man muss mit dem Seitenschneider die alte Blende komplett zerlegen, bis man am Drehschalter ankommt und diesen dann etwas Drehen, damit er raus kommt. Wie man es im Auto beim Nutzen auch kennt. Dann weiter zerschneiden und abnehmen. Es könnte auch dabei der Chromring rauskommen, dieser ist etwas stabiler. So oder so, das Ziel ist dasselbe.

Nun hats hier auch wieder 2 Arten: Entweder man schneidet die markieren Teile weg mit dem Messer, Seitenschneider, Dremel oder Fräser. Oder man nimmt eine Flex und schneidet den hinteren Deckel komplett ab, ein knapper centimeter. Damit würde es wohl am saubersten ausehen. Gehen tun beide Möglichkeiten gleich.

Anschließend nur noch die neue Blende einclipsen oben und unten, und das wars schon.

Hier noch ein Foto bei Tageslicht, das schwarz fällt überhaupt nicht auf!


Hier noch aus Aliexpress eine Erklärung zur Oberfläche, die interessant sein dürfte. Daher liegt das Copyreight auch beim „TingNai Autoparts Store“:



Hier nun alle Fotos noch in größerer Auflösung.
Wir beginnen mit der neuen Blende:


Hier alle Fotos vom Ausbau und des Lichtschalters aus dem Auto:


Und zu guter letzt für alle, die wissen wollen, wie es darin aussieht, die Bilder vom komplettt zerlegten Schlachtschalter mit allter Elektronik. Hier bitte ich die Brüche zu entschuldigen, die aus Öffnungsversuchen enstanden sind.

4 thoughts on “Mercedes-Benz E320 (W211) – Modifikationen – Interieur – Ersetzen der eigentlich nicht ersetzbaren Blende des Lichtschalters

  1. Eine tolle Anleitung, die mit sehr viel Mühe, Sorgfalt und tollen Bildern erstellt wurde. Das Verfassen hat bestimmt genau so lange gedauert und soviel Arbeit gemacht, wie die Reparatur selber. Das muss unbedingt in Foren verlinkt werde. Chapeau und weiter so!!!

  2. Moin, wollte mich auch ein mal für die Anleitung und den link von Aliexpress bedanken. Habe alles ohne was kaputt zu machen hin bekommen super.

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